Die Geschichte von Leuchtenberg



Man kann aus allen vier Himmelsrichtungen auf den 585 m hohen Berg zukommen, von überall her wird man begrüßt durch die Mauern und Türme der einstmals so berühmten und mächtigen Burg.

Die Kunde von der stolzen Burg dürfte wohl viel älter sein, als die ersten Zeugnisse des Ortes selbst. Wann die ersten Siedler sich dort heimisch gemacht haben, weiß niemand. Keine Urkunde oder sonstige Geschichtsquelle kann uns darüber berichten. Es war wohl nichts anderes als eine Sammlung von Hofstätten, welche sich außerhalb des Schlossterritoriums am sonnigen Südhang dem Schutze der Burgherren anvertrauten. Huf- und Wagenschmiede, Wagner und Schreiner, Sattler und Schneider dürften die ersten Berufe dieser Siedler gewesen sein. Dass 1124 durch Otto den Heiligen von Bamberg auf Bitte des edlen Gebhard von Waldeck-Leuchtenberg eine Kirche eingeweiht wurde, beweist, dass die Umgebung, so Lückenrieth, Lerau, Ringelbrunnen, Steinach und Wieselrieth, bereits besiedelt war. Erst im zweiten Leuchtenberger Lehenbuch um 1400 stößt man auf Namen von Grundstückspächtern. Die Landgrafen von Leuchtenberg selbst, welche die Burg aus Uranfängen einer Befestigungsanlage erbaut und immer wieder erweitert hatten, waren schon im Jahre 1322 aus dem ungesunden und kalten Gemäuer abgezogen und hatten im größten Ort ihres Herrschaftsbereiches, in Pfreimd, Residenz bezogen.

Im Schloss selbst saßen nur noch adelige Pfleger und Landrichter, welche die Geschäfte ihrer Herren verwalteten und den Einwohnern des Ortes Schutz boten.

Die Hofstätten des seit ca. 1390 zum Markt erhobenen Ortes, 40 Mannschaften (Haushaltungen), haben nie sehr viel mehr gehabt als ein "Äckerl und einen Wiesfleck", wie es im Schreiben der Bürger von 1587 berichtet wird. Es muss immer ein dürftiges Hausen gewesen sein, wobei das ausgeübte Handwerk zur Verbesserung der Lebenslage erheblich beigetragen hat. Auch das gute Bier des wahrscheinlich im 15. Jahrhundert erbauten Kommunbräuhauses trug zur Verbesserung des Lebensstandards der Bürger und zur Anhebung der Finanzlage des Marktes sehr viel bei.

Im Jahre 1404 werden erstmals Ratsherren genannt. Handwerk und auch Händel nahmen zu. Die Webereien im Markt selbst und in den umliegenden Siedlungen erfreuten sich eines günstigen Aufstieges. Leuchtenberg blieb von der Hussitengefahr verschont. Im Jahre 1524 erhielt der Markt das Marktwappen und das Marktsiegel verliehen. In dieser Zeit wurde auch das Landhaus (Rathaus) erbaut. Die Reformation fand Eingang in fast allen umliegenden Orten; Leuchtenberg selbst blieb aber immer der alten Kirche treu ergeben. Die sehr guten Handwerkserzeugnisse förderten das Ansehen des Marktes.

Die geographische Lage des Gebietes der Landgrafschaft und die durch dieses Gebiet ziehende uralte Handels- und Heeresstraße brachte zeitweise unerfreuliche Nachteile für den Markt Leuchtenberg und seine Umgebung. Auf der großen Straße bewegten sich, vor allem während des 30-jährigen Krieges, fast alle Heere Europas. Mansfeldische und Schweden, kaiserliche und ligistische, Österreicher, Franzosen und Russen kamen durch Leuchtenberg, quartierten sich ein, plünderten oder gaben sich großmütig mit einer erpresserischen Brandschatzung zufrieden. Die Jahre 1621 und 1634 waren für den Markt und die Burg die schlimmsten. Fleiß und Heimatliebe aber waren die stärksten Waffen gegen alles Unglück.

Nach dem 30-jährigen Krieg begann ein neues Leben. Die Bürgergesetze wurden erleichtert und Zugewanderten das Recht zum Ansiedeln gegeben. Diese sog. "Ämtischen" hatten aber weder das Bürger- noch das Braurecht. Mit ihnen kam auch die Ziegenzucht ins Land. Zum Ausbau der beschädigten Burg benötigte man viel Bauholz. Fast alle Eichenwälder am Süd- und Nordhang wurden geschlagen. Die Kahlschläge hatte man zwar wieder angepflanzt, aber das zahlreiche Geißvieh ließ keine Pflanzen mehr hochkommen. Die Folge war eine Verödung der Umgebung und das Absinken des Grundwasserspiegels.

Im Jahre 1671 wurde die Pfarrstelle zur selbständigen Pfarrei erhoben. Auch wurde die Bildung der Jugend gefördert und im Rathaus unterrichtet. 1691 werden Fasten- und Wochenmärkte und 1700 Jahrmärkte gemeldet.

Das 18. Jahrhundert kann für das Handwerk, vor allem für die zahlreichen Webereien, als Blütezeit bezeichnet werden. Die stolzen Handwerker aller Berufsgruppen schlossen sich zu Zünften zusammen. Mehrere Zunftstangen aus dieser Zeit sind heute noch in der Pfarrkirche zu sehen. - Leider wurde dieses Jahrhundert wiederum von durchziehenden Heeren, so im spanischen Erbfolgekrieg 1704/05 und 1796 durch französische Truppen in seinem Frieden gestört und teilweise arg mitgenommen. Auch melden die Kirchenbücher unvorhergesehene Naturkatastrophen, Missernten, Wassernöte und auch Hungerzeiten.

Neben den Bürgern und Ämtischen lebten auch in Leuchtenberg Beamte des Amtsgerichts, des Rentamts und des Forstamtes. Durch diese Ämter verstärkte sich der Personenverkehr, der sich auch für die Geschäfte positiv auswirkte.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden zu allen bereits gut gehenden Märkten auch noch Großvieh- und Taubenmärkte eingeführt, die sich bis zum zweiten Weltkrieg großer Beliebtheit bei Bauern und Viehhändlern erfreuten.
Der Beginn der Jahrhundertwende war 1809 durch Durchzüge österreichischer Truppen und 1814/15 durch Einquartierung russischer Heeresteile zeitweise sehr getrübt.

Leider wurde 1803 das Amtsgericht nach Vohenstrauß verlegt. Auch ging die Säkularisation nicht spurlos vorüber. Die Burgkapelle wurde ihrer schmuckvollen Einrichtung und ihres Geläutes beraubt. Sie diente fortan nur noch als Abstellraum für die Bewohner des Rentamtes.

Das größte Unheil, das der Markt je erlebte, war der Großbrand 1842. Der gesamte Ort mit Rathaus und Kirche, Rentamt und Burg fielen den Flammen zum Opfer. Alles Hab und Gut, alle geschichtlichen Dokumente, alles war vernichtet. Drei Menschen fanden in den Flammen den Tod. Es muss furchtbar gewesen sein, wie es ein Bericht überliefert hat: "Diese drei Leichen hat man in einen Stadel, der zu Hs.Nr. 43 gehörig war, verbracht und von dort aus eingesegnet und zum Friedhof getragen und beerdigt. Aber dieser Leichenzug war schauerlich anzusehen. Der Priester hatte einen gewöhnlichen Zivilrock an, der Weihbrunn war ein irdener Hafen, der Weihpinsel ein Strohbüschel. Die Begleiter waren ohne Schuhe und mit elenden Fetzen bedeckt." Dieses Brandunglück stürzte die gesamte Ordnung um. Was nun folgte, war der Beginn einer traurigen Zeit. Die moderne Technik lähmte das einst so blühende Handwerk. 1886 stürzte der Bergfried zur Hälfte ein und trug zur vollkommenen Ruinierung der Burg bei. 1889 vernichtete ein weiterer Großbrand 2/3 des Marktes. Das Rentamt und das Forstamt waren bereits nach Vohenstrauß verlegt worden. Eine allgemeine Verarmung begann.

Als das 20. Jahrhundert anbrach, kannte man den früheren Leuchtenberg nicht mehr. Der Klang seines berühmten Namens war verstummt, er war zum Teil sogar verschrieen. Zahlreiche Einwohner suchten ihr Glück in den Städten und in Amerika.

Im Jahre 1902 übernahm der Bayerische Staat die Burg und baute den eingestürzten Bergfried wieder auf, wenn auch um 6 m niedriger. Diese Tatsache war ein Lichtblick in die Zukunft. Nach dem ersten Weltkrieg brachte die Eröffnung eines Steinbruchs für einige Einwohner Arbeit und Brot, aber auch nur für kurze Zeit. Das größte und bedeutendste Ereignis der dreißiger Jahre war der Bau der Ostmarkstraße. Dadurch wurde Leuchtenberg aus seiner Isolierung gelöst und konnte in den allgemeinen Arbeitsprozess aufgenommen werden. Nach dem zweiten Weltkrieg waren für mehrere Jahre zwei Granitsteinbrüche in Betrieb.

1954 ging eine große Anzahl fortschrittlich gesinnter Bürger daran, sich dem Fremden- und Sommergästeverkehr anzuschließen, was damals dem Namen Leuchtenberg wieder zur Anziehungskraft verholfen hat. Im Osten und Süden des Marktes entstanden neue Siedlungsgebiete. Dank der Flurbereinigung ist es gelungen, neue Zufahrtsstraßen und Wege um Leuchtenberg zu bauen, die den Anforderungen der Zeit entsprechen und dem Fremdenverkehr sehr dienlich sind.

Die Pfarrkirche, die 1621 und 1842 total zerstört und 1889 bis auf den Chor schwer beschädigt worden war, wurde immer wieder auf den alten Fundamenten der Urkirche, welche 1124 durch Bischof Otto den Heiligen von Bamberg die erste Weihe erhielt, aufgebaut.

Nach der Durchführung der Flurbereinigung in den 70er Jahren wurde 1983 auf Antrag der Marktgemeinde durch die Flurbereinigungsdirektion Regensburg die Dorferneuerung eingeleitet. Schwerpunkte hierbei waren, die Lebens- und Arbeitsverhältnisse in Leuchtenberg zu verbessern, und zeitgleich den historischen Charakter des Marktes zu erhalten. Die Leistungen und Erfolge des Marktes Leuchtenberg in der Dorferneuerung wurden mit Preisen gewürdigt. So erhielt der Markt Leuchtenberg am 16. Mai 1990 von der Europäischen Arbeitsgemeinschaft Landentwicklung und Dorferneuerung, im Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 1990 für beispielhafte Leistungen einen Preis "in Würdigung der umfassenden Konzeption der Dorfentwicklung durch Förderung der dorfeigenen Kräfte und Talente". Mit der Preisübergabe am 25. September 1992 erhielt der Markt Leuchtenberg den EUROPA-NOSTRA-Preis 1991 für seine Leistungen in der Restaurierung und Instandsetzung seiner 1200 Jahre alten historischen Elemente, und ein EHRENDIPLOM "für die exemplarische Rückgewinnung der überlieferten Strukturen eines 1200 Jahre alten Dorfes durch das Engagement aller Bewohner".